Kunst am Bau

Lab Sweets
Silikon und Leuchtpigmente auf Holz, 620 x 275 x 10-50 cm, 2009
Kunst am Bau in der kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dortmund 2009

2008 erteilte mir die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe einen Kunst am Bau Auftrag. Diese lies ihren Hauptsitz in Dortmund komplett entkernen und vom Architekten Thomas Schmidt, SSP AG Bochum, neu gestalten. Hierfür wurden 10 Arbeiten verschiedener Künstle*innen angekauft und von 2009 bis 2010 realisiert. Zu diesen Kunst am Bau Arbeiten ist auch ein Katalog erschienen, der über die Kassenärztliche Vereinigung in Dortmund bezogen werden kann.

Die Wandinstallation setzt sich aus 7 Bildteilen zusammen, die sich vor Ort zu einem zusammenhängenden Gesamtobjekt ergänzen. Das über sechs Meter lange, in Teilen annähernd drei Meter hohe und circa fünfzig Zentimeter tiefe Wandobjekt aus Silikon befindet sich im oberen Bereich des Foyers, weit sichtbar über den Köpfen der Besucher:innen. Das Gewicht dieser Arbeit beträgt ungefähr eine Tonne und wurde an einer eigens für das Kunstwerk montierten Stahlwand befestigt, um der Statik gerecht zu werden.
Dem Industriematerial Silikon wird in dem Wandobjekt „Lab Sweets“ eine fast lebendige Qualität zugeschrieben. Die organisch verlaufende Grenze des Bildrandes sowie die vielschichtige Oberflächenstruktur laden zu Spekulationen ein, die die Grenzen von Natürlichkeit und Künstlichkeit immer wieder ausloten.

Assoziationen an Schwärme, Flechten, Pilze oder farbintensive Meeresgewächse wie Anemonen, Korallen und andere biomorphe Gliederungen liegen nahe. Man könnte darin einen geheimnisvollen, gigantisch vergrößerten Mikrokosmos entdecken, eine Reise hinein ins Tiefste des Körpers oder in ein unbekanntes, schwer zugängliches Gelände auf dem Mars.
Die einzelnen Strukturelemente entstehen im klassischen Abformverfahren, wodurch im Inneren ein Hohlraum entsteht, der eine transzendente Anmutung evoziert. Der Aufbauprozess verläuft nicht strikt nach Plan, sondern schaltet auch Elemente des Zufalls ein, was der Arbeit eine offene, spannungsreiche fast malerische Dynamik verleiht.
Polarisierend wirkt die fluoreszierende Farbgebung: Ihre kraftvolle Intensität, Konsequenz und Lebendigkeit, bis hin zur schier schmerzhaften Leuchtkraft, generieren eine visuelle Wirkmacht, die das Wahrnehmungserlebnis herausfordert. Farbe und Formen liegen im Spannungsfeld von Anziehungskraft, Lust und Versuchung bis hin zu überfließender Fülle.
Durch Größe, ungewöhnliche Formgebung, Materialität und die leuchtende Farbigkeit fokussiert das Wandobjekt im Foyer den Blick. Die fluoreszierende Farbdramaturgie fungiert dabei als weithin sichtbarer Farbakzent, der das Werk aus seiner Umgebung „herauswachsen“ lässt.

Fotos: Marco Wittkowski, Dortmund